„Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch“ – Frauen 2015

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Als Sigrid Fiala vor 25 Jahren in Nellingen ihr Sanitätshaus mit Werkstatt aufmachte, wurde sie von vielen belächelt. Eine Frau als Orthopädiemechanikermeisterin? Und dann auch noch selbstständig? Das war
ziemlich exotisch. Heute betreibt die 57-Jährige ein weiteres Sanitätshaus und das Laufschuhwerk in Esslingen. Geschafft hat sie das nur, weil sie nach den radikalen Veränderungen durch die Gesundheitsreform mit einem guten Gespür für die Bedürfnisse der Kunden mutige Entscheidungen getroffen hat.

In die Ausbildung als Orthopädiemechanikerin – früher hieß das noch Bandagistin – ist Sigrid Fiala eher zufällig reingerutscht. „Aber dann hat mir die Arbeit so riesigen Spaß gemacht, dass ich wusste, dass ich mich selbstständig machen will.“ Sie erinnert sich noch gut, wie skeptisch die alteingesessenen Ladenbesitzer in Nellingen sie damals beäugt haben. Als junge Frau musste sie
sich die Anerkennung erst verdienen. Sigrid Fiala hat sich davon nie beirren lassen: „Ich sage immer, legt nicht so viel Wert auf Männlein oder Weiblein. Wenn man etwas wirklich will, dann kommt man da auch als Frau rein.“
Heute hat sie 19 Mitarbeiter, davon drei Lehrlinge. In der Werkstatt fertigen drei Mitarbeiterinnen individuell angepasste Kleinorthopädie. Fiala ist Spezialistin für Einlagen. Mit High-Tech wie zum Beispiel einem CAD/CAM-Frässystem passen sie und ihre Mitarbeiterinnen die orthopädischen Einlagen perfekt an.
Durch die Gesundheitsreform hat sich für die Sanitätshäuser viel verändert. Während sie früher vor allem auf Rezept Prothesen, Korsette und Einlagen anfertigten, liegt der Schwerpunkt heute auf dem freien Verkauf. Sigrid Fiala hat ihr Sanitätshaus zum Gesundheitscenter weiterentwickelt. Dafür waren schwierige Entscheidungen, Mut und neue Ideen gefragt. Vor einigen Jahren machte Sigrid Fiala eine Ausbildung zur Bewegungsanalystin. Immer wieder fragten Kunden, ob sie ihnen auch passende Laufschuhe verkaufen könnte. „So ist die Idee zum LaufschuhWerk entstanden“, sagt sie. Es liegt neben dem Sanitätshaus am Esslinger Roßmarkt. Sigrid Fiala bietet dort neben genauen Analysen zum Bewegungsablauf auch Laufkurse an. „Laufen ist etwas, das man lernen sollte. Die meisten Läufer haben keine Rumpfstabilität. Aus einem falschen Laufstil resultieren viele Fußfehlstellungen und Dysbalancen der
Muskeln.“

Feingefühl, Offenheit, Eigenverantwortung

In den beiden Sanitätshäusern und Gesundheitscentern in Nellingen und Esslingen ist einer der Schwerpunkte die Mamma-Versorgung. Fiala sieht sich nicht nur als Versorger brustoperierter Frauen, sondern als Partner und Berater bei allen Fragen zu diesem komplexen Thema. Die Arbeit im Sanitätshaus erfordert besonderes Feingefühl. „Viele unserer Kunden haben gesundheitliche Probleme oder Schmerzen, manche sind todkrank. Neben der fachlichen Beratung ist es deshalb oft wichtig, ihnen Gehör zu schenken.“ Um das leisten zu können, setzt Sigrid Fiala auf regelmäßige Fortbildungen und ein gutes Betriebsklima. Einige ihrer Mitarbeiterinnen sind alleinerziehend. „Es ist immer klar, dass wir das berücksichtigen.“ Ihr Führungsstil? „Ich bin für Offenheit und
Eigenverantwortung. Wir sind alle erwachsene Leute. Wenn jemand seinen Job gut macht, hat er auch Freiheiten.“

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